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Bayer 04 Leverkusen – Der große Umbruch und die Zukunft nach der goldenen Ära

Leverkusen im Kampf um Europa?!

Bayer 04 Leverkusen – Wie steht es um den Verein seit dem Umbruch?

Was ist seit der Meisterschaft passiert und wie sieht die Zukunft der Werkself aus?

Lasst uns gemeinsam genauer drauf schauen.Wenn man heute auf Leverkusen schaut, hat sich enorm viel verändert, nicht unbedingt stark ins Negative, aber im Vergleich zu dem, was man zu Zeiten von Xabi Alonso, Florian Wirtz, Jonathan Tah, Granit Xhaka und Co. gehabt hat, sind es heute eben ganz andere Verhältnisse im Verein und vor allem im Kader.

Der Trainerwechsel und die Entscheidung für Xabi Alonso

Springen wir zurück ins Jahr 2022. Zum damaligen Zeitpunkt hatte Gerardo Seoane die Mannschaft nach einer starken Rückrunde auf den dritten Platz der Bundesliga-Saison 2021/22 geführt, Bayer hatte sich erneut für die Champions League qualifiziert und startete mit viel Selbstvertrauen in die neue Spielzeit. Doch es folgte die bittere Ernüchterung: Nach nur einem Sieg und zwei Unentschieden aus acht Spieltagen stand Leverkusen auf dem vorletzten Tabellenplatz. Infolgedessen musste Seoane gehen. Simon Rolfes begründete die Entscheidung damals klar:

„Das frühe Ausscheiden im DFB-Pokal, insbesondere aber die weit unter unseren Ansprüchen liegende aktuelle Bundesliga-Platzierung haben den Trainerwechsel aus unserer Sicht zwingend notwendig gemacht.“

„Das frühe Ausscheiden im DFB-Pokal, insbesondere aber die weit unter unseren Ansprüchen liegende aktuelle Bundesliga-Platzierung haben den Trainerwechsel aus unserer Sicht zwingend notwendig gemacht.“

Die große Frage war dann: Wer übernimmt? Welchen Fußball wollte man künftig spielen? Und welches Trainerprofil brauchte Leverkusen überhaupt in dieser Situation? Die Antwort hieß Xabi Alonso. Für viele war das zunächst überraschend, weil Alonso damals noch keine große Erfahrung als Cheftrainer im Profifußball hatte. Simon Rolfes stellte sich dennoch mit voller Überzeugung hinter ihn und sagte:

„Mit Xabi Alonso haben wir einen Coach unter Vertrag genommen, der als Spieler über viele Jahre hinweg ein absoluter Weltklasse-Profi war, ein intelligenter Stratege und extrem erfolgreich.“

Am 8. Oktober 2022 begann Alonso sein Amt bei Bayer 04 – und rückblickend war es vermutlich die wichtigste Trainerentscheidung der Vereinsgeschichte. Die Rückrunde 2022/23 war noch keine historische Rekordsaison, aber man sah sofort die Ansätze: mehr Struktur, mehr Klarheit, eine klar erkennbare Spielidee und vor allem eine Entwicklung zahlreicher Spieler. Am Ende wurde Leverkusen Sechster und qualifizierte sich erneut für Europa – was nach dem Saisonstart kaum noch jemand für möglich gehalten hatte.

Der Transfersommer 2023: kein Einkauf von Namen, sondern von Funktionen

Der eigentliche Wendepunkt kam aber im Sommer 2023. Bayer 04 verstärkte sich nicht einfach mit bekannten Spielern, sondern mit ganz bestimmten Profilen, die exakt auf Alonsos Fußball zugeschnitten waren. Seine Spielidee beruhte auf Kontrolle im Zentrum, klarer Struktur im Ballbesitz, variabler Besetzung der Halbräume, starken Schienenspielern und hoher taktischer Disziplin.

Die wichtigste Verpflichtung war Granit Xhaka, der für rund 25 Millionen Euro vom FC Arsenal kam. Leverkusen hatte zuvor zwar Qualität im Mittelfeld, aber keinen echten strategischen Fixpunkt. Xhaka wurde genau für diese Rolle geholt: als Taktgeber, Organisator und Führungsspieler. Er sollte das Spiel ordnen, unter Druck Ruhe geben und den Rhythmus bestimmen. In Alonsos System war er weniger ein klassischer Sechser als vielmehr der Dirigent des gesamten Ballbesitzspiels. Von Anfang an war klar: Er ist Stammspieler und Schlüsselspieler zugleich.

Mit Álex Grimaldo, der ablösefrei von Benfica kam, holte Leverkusen den perfekten linken Schienenspieler für dieses System. Grimaldo war nicht nur offensiver Außenverteidiger, sondern ein hybrider Spielmacher auf der Außenbahn. Er brachte Technik, Spielintelligenz, Kreativität und Torgefahr mit. Im Aufbau war er genauso wichtig wie im letzten Drittel, wo er mit Pässen, Flanken, Standards und eigenen Abschlüssen entscheidend wurde. Seine Rolle war von Beginn an die eines festen Stammspielers, der die linke Seite komplett prägen sollte.

Im Sturm setzte Bayer mit Victor Boniface, der für etwa 20 bis 22 Millionen Euro von Union Saint-Gilloise kam, auf ein modernes, komplettes Stürmerprofil. Boniface war kein reiner Strafraumstürmer, sondern ein Angreifer, der Bälle festmachen, dribbeln, kombinieren und Räume öffnen konnte. Genau das brauchte Alonso: einen Stürmer, der nicht isoliert vorne wartet, sondern das Offensivspiel verbindet. Boniface war deshalb sofort als klare Nummer eins im Sturm eingeplant und wurde zu einem der wichtigsten Offensivspieler.

Mit Jonas Hofmann, der für rund 10 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach kam, verpflichtete Leverkusen einen taktisch enorm wertvollen Verbindungsspieler. Hofmann war kein Spektakel-Spieler, sondern einer, der Räume intelligent besetzt, zwischen den Linien auftaucht und das Kombinationsspiel stabilisiert. Er konnte auf dem Flügel, im Halbraum und in eingerückten Rollen spielen. Seine große Stärke war seine Spielintelligenz – und genau deshalb war er für Alonsos Struktur so wichtig.

Defensiv setzte Bayer mit Josip Stanišić, der per Leihe vom FC Bayern kam, gezielt auf Flexibilität. Stanišić konnte innen wie außen verteidigen und passte damit ideal in die Dreier- beziehungsweise Fünferkette. Er war kein Startransfer, aber ein enorm wichtiger Systemspieler, der gerade in einer langen Saison Stabilität und taktische Anpassungsfähigkeit brachte.

Nathan Tella, der für rund 20 Millionen Euro vom FC Southampton kam, brachte wiederum ein ganz anderes Profil mit. Er war direkter, explosiver und vertikaler als Hofmann, also eher ein Spieler für Tiefgang, Tempo und Dynamik. Tella war vor allem als wichtiger Rotationsspieler gedacht, der in engen Spielen oder gegen tiefstehende Gegner neue Impulse setzen konnte. Arthur schließlich, der für etwa 7 Millionen Euro von América Mineiro kam, war ein klarer Perspektivtransfer. Als junger Schienenspieler sollte er langfristig aufgebaut werden und zunächst als Backup fungieren.

Dieser Transfersommer zeigte, wie präzise Simon Rolfes und Alonso arbeiteten: Es wurden keine Namen verpflichtet, sondern Funktionen. Jeder Neuzugang sollte eine konkrete Rolle im System erfüllen. Genau diese Passgenauigkeit wurde zur Grundlage für den späteren Erfolg.

Die historische Saison 2023/24

Was dann folgte, war eine Saison für die Geschichtsbücher. Leverkusen blieb wettbewerbsübergreifend 44 Pflichtspiele ungeschlagen. Selbst der FC Bayern fand kein Mittel gegen diese Mannschaft. Das Erfolgsrezept lag nicht nur in individueller Klasse, sondern vor allem in der perfekten Abstimmung des Kaders.

Leverkusen kombinierte Ballbesitzkontrolle mit Dynamik, nutzte die Flügel konsequent, war im Zentrum durch Xhaka stabil und über die Schienen mit Grimaldo und Frimpong extrem gefährlich. Dazu kam mit Wirtz ein Unterschiedsspieler zwischen den Linien, Boniface als kompletter Stürmer und eine Mannschaft, die mental extrem stabil war. Gerade diese Mischung aus taktischer Klarheit, Kaderbalance und Selbstverständlichkeit machte Bayer so schwer zu schlagen.

Erst im Finale der Europa League gegen Atalanta Bergamo riss diese Serie, als Leverkusen mit 0:3 verlor. Trotzdem blieb es die mit Abstand erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte.

Sommer 2025: Der große Umbruch

Nach dem Höhepunkt kam der Einschnitt. Und der war nach der Vizemeisterschaft 2024/25 gewaltig. Mit Florian Wirtz verlor Leverkusen seinen kreativsten Offensivspieler an den FC Liverpool, für 125 Millionen Euro. Jeremie Frimpong wechselte ebenfalls nach Liverpool, für satte 40 Millionen Euro. Granit Xhaka verließ den Klub in Richtung Sunderland, Jonathan Tah ging Ablösefrei zum FC Bayern, Lukáš Hrádecký wechselte zur AS Monaco, Amine Adli nach Bournemouth, Odilon Kossounou wechselte fest zu Atalanta, Piero Hincapié per Leihe zu Arsenal und sogar Victor Boniface am Ende des Transferfensters noch leihweise zu Werder Bremen.

Diese Abgänge rissen nicht nur personell, sondern vor allem strukturell riesige Lücken. Wirtz war der kreative Unterschiedsspieler, Xhaka die ordnende Zentrale, Tah der Abwehrchef im Aufbau, Frimpong die Tiefenwaffe rechts, Hincapié der progressive linke Halbverteidiger und Hrádecký eine Führungsfigur im Tor. Deshalb war der Sommer 2025 kein normaler Transfersommer, sondern der Versuch, ein ganzes Funktionsgefüge neu aufzubauen.

Die Neuzugänge 2025 und wen sie ersetzen sollten

Leverkusen reagierte mit einem breiten, bewusst zusammengestellten Transferfenster. Der prominenteste offensive Zugang war Malik Tillman, der für rund 35 Millionen Euro von PSV Eindhoven kam. Er sollte keinen direkten Wirtz-Klon darstellen, aber einen Teil seiner Produktivität auffangen. Während Wirtz vor allem über enge Dribblings, Kreativität und unvorhersehbare Lösungen kam, bringt Tillman mehr Zug zum Tor, mehr Physis und mehr Abschlussgefahr aus dem Halbraum mit.

Dazu kam Ibrahim Maza für rund 12 Millionen Euro von Hertha BSC. Maza war eher ein entwicklungsfähiger Verbindungsspieler und sollte ebenfalls einen Teil der Wirtz-Lücke mit auffangen – besonders in engen Räumen, im Kombinationsspiel und zwischen den Linien. Eliesse Ben Seghir, der für rund 32 Millionen Euro von Monaco kam, brachte wiederum Dribbling, Dynamik und Unberechenbarkeit mit und sollte jene kreative Eins-gegen-eins-Qualität ersetzen, die mit Wirtz und Adli verloren gegangen war.

Im Zentrum reagierte Bayer auf den Abgang von Xhaka mit Ezequiel „Equi“ Fernández, der für rund 25 Millionen Euro von Al-Qadsiah kam. Fernández sollte zwar ähnliche Räume besetzen, ist aber ein anderer Spielertyp: weniger Dirigent, mehr Antreiber. Xhaka stand für Ruhe, Kontrolle und Autorität, Fernández eher für Dynamik, Gegenpressing und Intensität. Genau daran sieht man, wie schwer Xhaka zu ersetzen war.

In der Defensive wurde Jonathan Tah nicht eins zu eins ersetzt, sondern über mehrere Profile aufgefangen. Jarell Quansah kam für rund 35 Millionen Euro von Liverpool und sollte vor allem Tahs Rolle als moderner, schneller Innenverteidiger in einer hochstehenden Mannschaft übernehmen. Loïc Badé kam für rund 25 Millionen Euro aus Sevilla und brachte Robustheit sowie klassische Defensivpräsenz. Axel Tape kam ablösefrei aus dem Nachwuchs von Paris Saint-Germain und war eher als entwicklungsfähiger Zukunftsbaustein gedacht. Zusammen sollten sie die verlorene Funktionsbreite von Tah, Hincapié und Kossounou auffangen.

Auf der rechten Seite war der Verlust von Frimpong besonders schwer zu kompensieren. Ernest Poku kam für rund 10 Millionen Euro von AZ Alkmaar und wurde wegen seines Tempos und Dribblings als möglicher Frimpong-Erbe gesehen. Dazu verpflichtete Bayer Lucas Vázquez ablösefrei von Real Madrid, um Erfahrung und taktische Sauberkeit auf der Schiene zu bekommen. Frimpong selbst war aber so speziell, dass sein Einfluss kaum eins zu eins ersetzt werden konnte, was man heute im Spiel von Leverkusen immer noch merkt.

Im Tor reagierte Leverkusen auf den Abgang von Hrádecký mit Mark Flekken, der für rund 11 Millionen Euro von Brentford kam. Flekken sollte weniger etwas komplett Neues bringen, sondern die Torwartrolle möglichst verlustarm fortsetzen: Ruhe am Ball, Bundesliga-Erfahrung und Stabilität im Aufbau.

Ten Hag, Hjulmand und die aktuelle Lage

In diese Übergangsphase hinein kam Erik ten Hag als Alonso-Nachfolger. Die Idee war nachvollziehbar: ein Trainer mit großer Erfahrung, strukturiertem Ansatz und Ajax-Vergangenheit. Problematisch war jedoch, dass zwar teilweise dieselbe Grundordnung beibehalten wurde, aber nicht mehr dieselben Spielerprofile vorhanden waren. Die Formation sah ähnlich aus, die Mechanik dahinter war aber eine völlig andere.

Dass ten Hag schon am 1. September 2025 entlassen wurde, hatte deshalb mit mehr zu tun als nur mit Ergebnissen. Leverkusen startete mit nur einem Punkt aus zwei Ligaspielen, und Simon Rolfes machte öffentlich deutlich, dass der Aufbau einer neuen erfolgreichen Mannschaft „mit diesem Setup nicht umsetzbar“ sei. Das zeigt: Es ging auch um Führungsstil, Zusammenarbeit und die Frage, ob ten Hag der richtige Trainer für einen derart sensiblen Umbruch war.

Die Wahl fiel deshalb auf Kasper Hjulmand. Und genau diese Entscheidung ergibt inhaltlich Sinn. Hjulmand steht für Struktur, Teamführung, Kommunikation und klare Abläufe. Bayer brauchte in diesem Moment keinen Revolutionär, sondern einen Integrator – jemanden, der aus vielen neuen Einzelteilen wieder ein stabiles Mannschaftsgefüge formt.

Unter Hjulmand wirkte Leverkusen zunächst stabiler. In der Champions League erreichte man nach den Play-offs das Achtelfinale, scheiterte dort aber an Arsenal. In der Bundesliga steht Bayer nach 27 Spieltagen mit 46 Punkten auf Rang sechs – kein Absturz, aber eben auch weit entfernt von der Dominanz unter Alonso. Im DFB-Pokal lebt die Titelchance weiter, dort steht Leverkusen im Halbfinale gegen den FC Bayern.

Fazit:

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Leverkusen nach Alonso abgestürzt ist. Das wäre zu simpel. Vielmehr geht es darum, ob der Verein den Übergang von einer perfekt eingespielten Erfolgsmaschine zu einer neuen, jüngeren und anders strukturierten Spitzenmannschaft schafft. Die Transfers des Sommers 2025 zeigen klar, dass Bayer einen neuen Zyklus einleiten wollte – mit entwicklungsfähigen, wertstarken und teilweise deutlich jüngeren Profilen.

Das ist strategisch sinnvoll, sportlich aber kompliziert. Denn eine Mannschaft wie die Meister-Elf unter Alonso ersetzt man nicht in einem Transferfenster. Dass Leverkusen trotzdem international konkurrenzfähig ist, im Pokal-Halbfinale steht und in der Liga um Europa kämpft, zeigt, wie stark die Basis des Klubs weiterhin ist. Ob daraus wieder ein Titelteam wird, hängt nun vor allem davon ab, ob Hjulmand aus diesem neuen Kader wieder dieselbe Klarheit, Balance und Verlässlichkeit formen kann, die Leverkusen unter Alonso zeitweise unantastbar gemacht hat.

Meiner Meinung nach steht Bayer 04 Leverkusen im Sommer 2026 vor einem richtungsweisenden Transferfenster. Wenn das Ziel ist, kurzfristig wieder ernsthaft um die Meisterschaft mitzuspielen, wird es entscheidend sein, gezielt Spieler zu verpflichten, die nicht nur großes Potenzial, sondern auch sofortige Spitzenklasse und entsprechende Erfahrung mitbringen. Sollte der Fokus hingegen bewusst auf einen langfristigen Aufbau gelegt werden, fällt das Gesamtfazit deutlich positiver aus: Leverkusen befindet sich auf einem guten Weg. Die Entwicklung unter Kasper Hjulmand ist vielversprechend, dennoch wird die kommende Saison entscheidend sein, um zu sehen, ob er mit diesem Kader tatsächlich den nächsten Schritt gehen und den Klub nachhaltig in Richtung Top 3 der Bundesliga führen kann.

Tipp zur Saison 2025/26 von Leverkusen:

Ich gehe davon aus, dass Bayer 04 Leverkusen in den letzten Spielen der Saison noch den Sprung in die Champions League schaffen wird. Nach dem Ausscheiden gegen den Arsenal FC ist die Dreifachbelastung weggefallen, was sich im Saisonendspurt als klarer Vorteil erweisen könnte. Zudem wartet im DFB-Pokal-Halbfinale am 22. April mit dem FC Bayern München eine äußerst schwierige Aufgabe. Sollte Leverkusen dort ausscheiden, würde auch diese zusätzliche Belastung entfallen – ein Faktor, der die Chancen auf einen starken Endspurt in der Bundesliga weiter erhöhen könnte.

Vereine wie Leipzig oder Hoffenheim beispielsweise profitieren ebenfalls davon keine weiteren Belastungen durch anderweitige Wettbewerbe mehr zu haben, deshalb denke ich das es trotzdem bis zum letzten Spieltag spannend und offen um die europäischen Plätze sein wird.

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